Nie wieder so einen Mist!

Beim Stöbern in alten Unterlagen stieß ich auf ein Rezeptheft aus dem Jahr 1978, geführt von meiner jetzigen Frau und damaligen dürren Unbekannten aus der Parallelklasse. Wir hatten damals in der Schule Kochen. Dies war Pflichfach für die Mädchen und Wahlfach für die Jungen. Da klassenweise unterrichtet wurde, bin ich meiner jetzigen Frau kaum begegnet, habe sie auch ansonsten nicht wahrgenommen. Aber die Lehrerin war dieselbe, der Unterrichtsstoff auch. Somit auch die Rezepte. Von einem möchte ich gleich berichten, da es so schlimm ist, dass einem vom Lesen schon übel wird.
Vorab: Ich war damals in der neunten Klasse, als das Kochen angeboten wurde, auch für die Jungen. Mit drei mutigen Kerls haben wir uns unter die Mädchen gemischt, und wollten das Kochen erlernen. Man(n) wusste ja nicht, ob man es mal brauchen konnte. Nach der dritten Stunde war ich allerdings allein zwischen lauter Mädchen aus meiner Klasse, die anderen hatten aufgegeben. Warum, kann ich nur spekulieren. Eventuell liefen die Annäherungsversuche an das zarte Geschlecht nicht wie gewünscht, vielleicht hatten sie aber einfach nur keine Lust mehr, denn auch das Abwaschen und Saubermachen gehörte dazu. Und welcher junge Kerl macht sowas schon gerne. Wo doch die Frauen so zarte, kleine Finger haben, und beim Putzen viel besser in die Ecken kommen (Beschwerden über die Chauvi-Bemerkung bitte an glaubes@maenner-sind-die-besten.net). Jedenfalls war ich in diesen zwei Stunden pro Woche der Hahn im Korb, und habe es genossen. Nicht unwesentlich haben diese Stunden zu meiner damaligen Berufsfindung beigetragen. Dass während einer Kochlehre auch mal die Pfannen tief fliegen, schon im ersten Lehrjahr 60 Wochenstunden plus Berufsschule die Regel waren, wusste ich damals noch nicht. Das Frikadellenkneten mit den Mädels in der Schule war angenehmer. “Mike, kannst Du mal hier …” “Mike kannst Du bei mir auch mal …” Hach, was war das toll. Nicht so toll war, dass wir das Gekochte auch essen mussten. Deshalb jetzt zum Rezept.

Panierte Koteletts

Zutaten:
4 Koteletts
Salz, Pfeffer
1 Essl. Mehl
1 Ei
40 g Paniermehl
50 g Margarine !
1/4 l Brühe
Gustin
Zubereitung:
Koteletts salzen und pfeffern, in Mehl wenden, durch das verschlagene Ei ziehen und in Paniermehl wenden. Fett in der Pfanne stark erhitzen und die Fleischstücke auf jeder Seite 5 bis 8 Minuten braten. Den Bratensatz! mit 1/4 l Brühe verlängern und mit kalt angerührtem Gustin binden. abschmecken (womit bloß). Soße über die Koteletts gießen. Mit Salzkartoffeln und Gemüse nach Wahl servieren.

Na, ist Ihnen auch schon übel? Sowas haben wir tatsächlich zubereitet und auch gegessen. “Liebe Frau Schottke-Svers, das ist ganz großer Mist!” Muss man so einer Lehrerin ja mal sagen.

  • Ulli

    Brrr, 5-8 Minuten pro Seite…, wieviel von dem Schwein hing denn da noch dran :-)

    Ich glaube, ihr fehlte etwas die Traute, euch mal richtig loslegen zu lassen… oder war sie Abstinenzlerin, daß sie euch die gefährliche Butter oder gar Löschwasser* zukommen lassen wollte. Vermutlich stand es aber einfach so im Lehrplan…

    Interessanter wäre: wie würdest Du die Koteletts heute zubereiten?

    Ulli

    *formerly known as Wein

  • http://www.anonymekoeche.net Claudio

    Der Gang durch diese harte Schule hat dich immerhin gelehrt auf was du im Leben getrost verzichten kannst. Was die beiden Aufgeber heute wohl so essen?

  • Mike

    Ulli, wie ich meine panierten Koteletts zubereite, verrate ich, wenn die Spargelsaison beginnt.
    Was bitte soll man denn da ablöschen? Fett mit verbrannten Semmelbröseln? Hat man richtig gebraten, gibt es keinen Bratensatz, da der Saft im Fleisch bleibt. Und die Benutzung von Margarine stammt wohl noch aus den Lehrplänen von kurz nach dem Krieg, als Butter Mangelware war. Im Übrigen finde ich die Mode, Soße über etwas Paniertes und knusprig gebratenes zu kippen – mit Verlaub – bescheuert. Da werden mir wohl die Jäger- und Zigeunerschnitzelfans nicht zustimmen, aber über Geschmack …

    Claudio, mit den Aufgebern hatte ich im letzten Jahr während eines Klassentreffens das Vergnügen. Wir trafen uns in einem Hotel. Ich meine mich erinnern zu können, dass die etwas mit Fleisch, Soße und Bratkartoffeln in einer Pfanne angerichtet bestellt haben. Bin mir aber nicht ganz sicher. Auch nicht, ob sie irgendwelche kulinarischen Schäden davongetragen haben.