Macht hoch die Tür, die Tor macht weit …

… für die Olivenölpanscher aller europäischen Länder. Die neue EU-Verordnung 61/2011 macht es möglich. Die EU-Agrarpolitik bestimmt über unsere Lebensmittel. Den Krümmungsgrad von Salatgurken, Form und Farbe von Tomaten, Herstellungsprozesse von verarbeiteten Lebensmitteln (man wollte die schlachtwarme Verarbeitung von Schweinefleisch, z.B. zu Ahle Wurst oder Eichsfelder Mettwurst verbieten, was nur mittels massivem Protest abgewendet werden konnte) und vieles mehr, so auch über Grenzwerte von diversen Stoffen im Olivenöl.

Kräftiges Olivenöl aus den Marken

Olivenöl Extra Nativ aus den Marken in hervorragender Qualität.

Interessant für Hersteller und Verbraucher ist die neue Verordung deshalb, weil hier Grenzwerte nicht vermindert, sondern angehoben werden, und zwar massiv. Es geht um die Menge an Alkylestern, die im Olivenöl vorhanden sein dürfen. Alkylester sind chemische Verbindungen, die sich durch Veresterung von freien Fettsäuren mit niedermolekularen Alkoholen bilden und vor allem dort anzufinden sind, wo schlampig gearbeitet wurde oder minderwertige Früchte Verwendung fanden. Die Erhöhung auf 150 mg/kg ist eine Erhöhung um fast das 15-fache! Ein Premium-Olivenöl Extra Nativ enthält maximal bis 30 mg/kg Alkylester, wobei die wirklich guten über die 15 mg/kg nicht hinaus kommen.

Olivenölpanscher reiben sich jetzt schon die Hände blutig, vor lauter Vorfreude auf den 1. April, ab dem die neue Verordnung greift. Dann können sie nämlich (rein theoretisch natürlich, wir glauben ja an das Gute im Menschen) minderwertige, sogar desodorierte Olivenöle, denen mittels Wasserdampf die unangenehmen Geschmackseigenschaften genommen wurden (nur nicht der Alkylester) mit gutem Olivenöl mischen, und dies dann zu Schleuderpreisen als Extra Natives Olivenöl verkaufen. Das ist definitiv inakzeptabel! Slowfood, viele Hersteller und auch Fachzeitschriften protestieren heftig gegen die Verordnung. Zum einen findet keine Differenzierung zwischen schlechten und guten Olivenölen auf dem Etikett mehr statt, alles ist einfach die höchste Güteklasse, zum anderen schadet das den sauber arbeitenden Herstellern, die finanziell sowie so schon nicht auf Rosen gebettet sind. Eine Schweinerei sondergleichen, die die EU-Agrarkommission unter Leitung von Dacian Ciolos dringend zurück nehmen muss, um den Verbraucher vor solchen Panschereien zu schützen. Hier drängt sich ein Verdacht auf: Wer gut schmiert, der gut fährt!

  • http://www.wohl-bekomms.info Friedel

    Es ist unglaublich, wie sich die Eurokratie verselbstständigt – über die Köpfe der Bürger hinweg. Danke für Deinen informativen Bericht, lieber Mike! Als Ernährungswissenschaftler und Journalist gehört Olivenöl seit langem zu meinen Spezialgebieten. Seit einiger Zeit verfolge ich die News dazu nur am Rande – und vor der Lektüre deines Posts war bei mir noch nicht angekommen, was da passiert. Wenn das leuten wir mir schon entgeht, wie soll da der Normalbürger informiert sein? Da werden Dinge durchgesetzt ohne jede öffentliche Diskussion – weil kein Mensch weiß, was da vor sich geht. Grüße Friedel

  • O.Kollitsch

    der(die) Verantwortliche für Lebensmittel in der EU scheint nur Händler-freundlich nicht aber Konsumenten-freundlich zu agieren. Über Nacht erhöhte Strahlengrenzwerte für japanische Produkte und dann diese Erhöhung minderwertiger Begleitstoffe in hochwertigem Öl sind Beweise. Soll die EU nur wirtschaftsfreundlich agieren oder auch Umwelt- und Menschen-freundlich ?
    Eine Kontrollinstanz ist hier erforderlich. Kein diktatorisches Handeln. Aus solchen Schritten, verbunden mit korrupten Mitgliedern ist der ansteigend schlechte Ruf und die vermehrte Ablehnung der EU abzuleiten. Zu große und nicht überblickbare Organisation. Schade.

  • http://www.alisseos.de Alisseos

    Der Konsument wird doch allenthalben verschaukelt. Leute: Lebensmittel sind Mittel zum Leben! Also kümmert Euch selbst drum, da Ihr doch schon wisst (und es tagtäglich bewiesen wird), daß Ihr belogen und betrogen werdet. Informiert Euch ganz genau, was Ihr esst und Euren Kindern zu essen gebt. Alles andere funktioniert nicht, – und Ihr nehmt Gifte in einem Ausmaß zu Euch, was Euch nicht guttun kann.

  • Odysseus

    Leider ist der Artikel nicht besonders gut recherchiert. Es gab bisher gar keinen Grenzwert für Alkylester im Olivenöl und insofern wird auch kein Grenzwert angehoben! Im Handel erhältlich sind bereits jetzt “extra native” Olivenöle mit bis zu 1000 mg/kg Alkylester. Daher ist diese neue EU Verordnung schon ein großer Fortschritt, wobei ich auch für niedrigere Grenwerte bin!

  • Mike

    @Odysseus: Was die Recherche angeht, befinde ich mich in guter Gesellschaft mit “Essen und Trinken”, “Slow Food” und vielen weiteren Quellen, die gleiches behaupten. Ich meine gelesen zu haben, dass der Grenzwert bei 15 mg/kg gelegen haben soll. Ich suche nochmal nach der alten Verordnung.

  • http://www.alisseos.de Alisseos
  • Odysseus

    Da haben wohl alle die gleiche Quelle gelesen.

    Ich vermute, der Fehler hat sich durch die missverständliche und (nach meinen Recherchen) in Teilen falsche Pressemitteilung von Slow Food eingeschlichen:

    http://www.slowfood.de/startseite_2011_artikelseiten/bruesseler_olivenoel_verordnung_schaedigt_verbraucher/

    Hier gibt es die alte Verordnung zum Nachlesen:

    http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=CONSLEG:1991R2568:20081001:DE:PDF

    Und hier die Verordnung, die erstmals folgende Grenzwerte für Fettsäuremethylester (FAME) und Fettsäureethylester (FAEE) einführt:

    ? FAME + FAEE ? 75 mg/kg oder 75 mg/kg <? FAME + FAEE ? 150 mg/kg und (FAEE/FAME) ? 1,5

    http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2011:023:0001:0014:DE:PDF

    Hier sind noch zwei Quellen, die ich sehr aufschlussreich finde (sicherlich industrienah, aber sehr sachlich gehalten).

    http://www.teatronaturale.com/article/2332.html
    http://www.oliveoiltimes.com/olive-oil-business/italy-alkyl-ester-olive-oil-test/9384

    Falls Ihr andere Informationen habt, lasse ich mich gerne eines besseren belehren. Ich bin auch "nur" ein interessierte Laie.

    Ich finde die Grenzwerte auch zu hoch. In dem zweiten Artikel steht, dass Supermarktöle im Durchschnitt 150 mg Alkylester/Liter enthalten. Insofern sollte sich erst mal nicht viel ändern. Ganz minderwertige Öle mit 1000 mg/Liter müssten nach der neuen Verordnung sogar aus den Regalen verschwinden (so denn erfolgreich kontrolliert wird…)

    Man muss ja auch sehen, dass billiges Olivenöl einfach unter aller Kanone ist – egal ob es nativ extra heißt oder nicht. Daher hilt es nur, auch weiterhin das Öl vom Produzenten Eures Vertrauens zu kaufen.

  • Hendrik

    Ja schade, das. Nach der anfänglichen großen Aufgeregtheit und dem heftigen Sarkasmus bleibt für den geneigten Leser nun völlig offen, was er glauben soll. Wer, liebes olivenoelblog, solche Aufreger verbreitet, sollte bei Widerspruch entweder den Beleg seiner Behauptungen antreten oder aber seinen Fehler eingestehen. So ist das höchst unsauber – ungefähr wie gepantschtes Olivenöl.

  • Mike

    Einfach mal den Links in den den Kommentaren folgen, lieber Hendrik.

  • http://www.hotelina.de/Hotel-in-Landshut/hotel-in-landshut.html Hotelsin Landshut

    Bitte weiter so, ich schaue sicherlich öfter bei Ihnen vorbei.

  • TKHH

    Odysseus hat Recht. Die Information, dass es vorher Grenzwerte für Alkylester gab oder dass diese sogar erhöht wurden, ist definitiv falsch. Die Gesetzgebung der EU ist mit den Grenzwerten für Alkylester noch sternger geworden.

    Die Flaschinformation wurde von Interessengruppen in Umlauf gebracht, die die Olivenölpolitik der EU in Misskredit bringen wollen. Außerdem sind die Einheiten falsch (mg/kg, nicht g/kg). Hier sollte der Blogger nochmal korrigieren. Weitere Infos gerne auch per E-Mail.

  • Mike

    @TKHH: Infos sind immer gerne willkommen. Den Fehler habe ich korrigiert, danke für den Hinweis.