Tafelspitz und scharf

Fleisch ist, entgegen Vegetarier-/Veganermeinung, essentiell. Zumindest für mich. Rindfleisch ist geschmacklich eines meiner Favoriten, obwohl es kaum eine Fleischsorte gibt, die ich nicht mag. Kalter Hammel vielleicht nicht, aber sonst? Nun kaufte ich neulich im Großhandel ein Tafelspitz. Geplant war ein gesottenes Tafelspitz mit Meerrettichsauce und Wirsingkohl. Doch es kam anders. Das Tafelspitz entpuppte sich nach fünfstündigem Dahinsimmern in mit Wurzelgemüsen angereicherten Salzwasser als zäher Fleischklumpen, mit dem man ein Schwein hätte tot werfen können. So musste der Speiseplan umgeschubst werden, und es gab zu dem „Venezianischen Wirsingkohl“ (Rezept weiter unten) ein Schweinerückensteak in Tomatensauce mit Kapern und Rosmarinkartoffeln aus dem Ofen.
Sagenhafte sieben Stunden später hatte sich das Tafelspitz meiner Simmerei ergeben, und ist genießbar geworden – endlich. Die Brühe war übrigens fantastisch, das Fleisch solala. Da besann ich mich auf ein altes Rezept für einen Rindfleischsalat mit roten Zwiebeln. Einfach und dennoch sehr schmackhaft, vor allem aber deftig und scharf. Passend für die Jahreszeit.
Zutaten:
ca. 650 g gekochtes mageres Rindfleisch
3 – 4 mittelgroße rote Zwiebeln
3 – 4 Teelöffel Düsseldorfer Löwensenf scharf
5 cl Rotweinessig
15 cl bestes Olivenöl
Meersalz, schwarzer Pfeffer aus der Mühle
Schnittlauchröllchen oder das Grüne von Frühlingszwiebeln zu Dekoration

Senf und Essig in einer Schüssel mit dem Schneebesen verrühren, in dünnem Strahl das Olivenöl dazugeben bis eine Emulsion entsteht, mit Salz und Pfeffer abschmecken. Das Rindfleisch gegen die Faser „blättrig“ schneiden. Das heißt, sehr dünne kleine Scheibchen, in etwa Birkenblattgröße. Diese in die Salatsauce geben. Die geschälten roten Zwiebeln in hauchdünne Scheiben schneiden (ein paar Zwiebelringe für die Deko zurück behalten), dazugeben und den Salat vorsichtig durchheben. Bei Zimmertemperatur eine Stunde ziehen lassen. Wer ein Problem mit der Menge des Öls hat, ersetzt einen Teil davon durch die erkaltete Brühe. Wer es noch schärfer möchte, gibt noch ein wenig frisch geraspelten Meerrettich dazu.
Während der Salat durchzieht, schäle ich ein paar Kartoffeln für die Röstkartoffelbeilage. Die gewaschenen rohen Kartoffeln schneide ich in dünne Scheiben und brate sie langsam in einer beschichteten Pfanne knusprig und gar. Als Bratfett nehme ich – wie sollte es anders sein – Olivenöl. Da die Kartoffeln bei mittlerer Hitze gebraten werden, ist das nicht nur schmackhaft, sondern auch gesund.
Eigentlich brät man Röstkartoffeln ja in einer Eisenpfanne. Das geht aber nicht, denn ich bin verheiratet. Eine Eisenpfanne muss nämlich gepflegt und behütet werden, man muss auf sie aufpassen, wie auf eine pubertierende Teenagerin (und ich weiß, wovon ich schreibe!). Vor allem darf niemals, ich wiederhole: niemals! Spülmittel, gleich welcher Art an die Pfanne, oder gar noch schrecklicher: ein Aufenthalt in der Geschirrspülmaschine. All’ diesen Gefahren wäre die Pfanne in meiner Küche ausgesetzt. Und das ist wohl genetisch bedingt. Glaube ich zumindest. Meine Frau hat nämlich das Abwasch-Gen. Nichts ist vor ihr sicher; was neben dem Herd oder auf der Spüle steht, wird abgewaschen. Das finde ich ja auch gar nicht schlimm, im Gegenteil, muss ich nicht. Einer Eisenpfanne möchte ich dieses Schicksal aber ersparen. Man ist ja Mensch. Denn ein Mann und seine Pfanne, das ist ein ganz besonders inniges Verhältnis. Man stelle sich nur vor: da hat man die Pfanne mühsam eingebraten, damit sie nicht klebt, vorab Salz darin erhitzt, bis es sich durch den Platikmülleimer geschmolzen hat, nur, dass nicht der Hauch von Feuchtigkeit dem Pfanneninneren anhaftet, und dann schaut man einmal nicht hin, schwups, im Spülbecken. Geht nicht! Beschichtete Pfanne!
Während ich hier ins Plaudern gekommen bin sind die Kartoffeln auch fast fertig. Nun kommen noch ein paar Zwiebelringe dazu, werden mitgebraten bis sie auch etwas Farbe nehmen, dann wird gewürzt. Ich habe mir ein spezielles Bratkartoffelgewürz zubereitet, dessen Inhaltsstoffe hier nicht verraten werden, nur so viel: Meersalz, Pfeffer und etwas gemahlener Kümmel finden sich darin, der Rest ist Schweigen.

Rindfleischsalat

Optisch nicht gerade so super ansprechend, und die eine kleine Kartoffelscheibe, die etwas dunkler geworden ist, hätte ich auch „umdekorieren“ können, aber der Geschmack entschädigt für die Optik.

Venezianischer Wirsingkohl

Zutaten:
ein mittelgroßer Wirsingkohl
3 Knoblauchzehen
Olivenöl zum Braten
2 cl Weißweinessig
Meersalz, schwarzer Pfeffer aus der Mühle

Die äußeren Blätter des Wirsings entfernen, den Wirsing vierteln, Strunk abschneiden und den Kohl in dünne Streifen schneiden. Knoblauch schälen und fein hacken, Olivenöl in einem großen Topf erhitzen, den Knoblauch darin langsam anschwitzen, ohne dass er Farbe nimmt. Den Wirsingkohl dazugeben und gut durchheben, bis er schön glänzt und etwas zusammenfällt. Mit dem Weinessig ablöschen, Deckel drauf und bei geringer Hitze weich schmoren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken, und keinen! Muskat zugeben.
Gut als Vorspeise, aber auch als Beilage zu Fleisch geeignet. Vor allem, schmeckt der Kohl nach Kohl, und nicht nach Speck oder anderen Fleischingredienzien, wie nach deutschen Rezepten gekocht üblich. Fleisch in der Fleischbeilage wäre ja auch fast tautologisch.

Sie mag am liebsten Sülze! Wenn Sie keine kriegt, dann brüllt’se

Da natürlich noch etwas Fleisch übrig war, denn mein Tafelspitz hatte 1,7 kg Rohgewicht, habe ich noch eine Sülze zubereitet. Ein paar Scheiben des Fleisches in kleine Stücke geschnitten, die Brühe mit etwas altem Sherryessig verfeinert, um mit ein wenig Säure den Geschmack zu heben. Die Brühe wird nun etwas überwürzt, das heißt, sie sollte salzig schmecken, fast versalzen. Auf einen halben Liter Brühe benötige ich dann fünf Blatt eingeweichte Gelatine, die ich in der nicht mehr kochenden Brühe auflöse. Die Brühe lasse ich abkühlen, genau so, wie einen großen tiefen Teller, der im Kühlschrank eine Weile verbringen darf. Dann fülle ich ein wenig von der Brühe ein, und lasse im Kühlschrank gelieren. Ist sie fest, kommen die Fleischstücke, eine halbe, in Würfel geschnittene gelbe Paprika, ein paar Tomatenscheiben, ein paar rosa Pfefferkörner und fünf, sechs Blätter Basilikum auf das Gelee. Nun wird mit der restlichen Brühe aufgegossen, und die Sülze darf im Kühlschrank der Vollendung entgegen gelieren. Durch die Gelatine wird einiges an Würzkraft geschluckt, sodass die fertige Sülze optimal gesalzen ist. Dazu gab es – wieder einmal – Bratkartoffeln. Vorstellbar ist aber auch diese Sülze als Vorspeise mit Vögerl*-Salat und Sherryessig-Dressing.

Rindfleischsülze

*Vögerl = Rapunzel-, oder Feldsalat

P.S. Was nicht mehr an Brühe und Fleisch in den Teller passte, habe ich mit frisch geriebenem Meerrettich und ein paar gewürfelten Cornichons gelieren lassen: „Holla, die Waldfee! War das scharf!“ Aber gut!!!

Purismus pur: Kalbshaxe

Kalbshaxe

Reduktion auf das Wesentliche ist eine Tugend, die kaum jemand für sich in Anspruch nehmen kann. Gerade wenn es ums Kochen geht, dann wird alle Welt verspielt: hier noch ein wenig Gewürz, dort noch ein Kräutersträußchen, da kann doch noch etwas Balsamico dran, die Zwiebel schadet auch nicht, und warum nicht das eine! Lorbeerblatt noch an die Sauce? Die Ergebnisse sind nicht immer schlecht, aber auch nicht immer gut. „Nicht gut“ im Sinne von „nicht natürlich nach dem verwendeten Produkt schmeckend“. Liest man sich durch, was zum Beispiel ein Paul Bocuse alles mit einer Kalbshaxe anstellt, um diese schmackhaft zu präsentieren, dann ist das in meinen Augen übertriebene Liebesmüh’.
Gerne gebe ich zu, dass auch ich bisweilen über die Stränge schlage, was die Zugabe von Aromaten an diverse Speisen angeht. Das lässt sich – zumindest meistens – mit geschmacklicher Prägung erklären. Und einer gewissen Erwartungshaltung an den Geschmack eines Gerichtes. Manchmal muss man aber diese Erwartungen und Prägungen über Bord werfen, um das Pure genießen zu können. Wer je in einem bayerischen Gasthaus eine Kalbshaxe (zumindest einen Teil davon) verzehrt hat, mit der Bratensauce und dem Semmelknödel, der weiß halt noch nicht, wie eine Kalbshaxe auch schmecken kann, natürlich schmecken kann. Zu meiner ist die Zutatenliste recht kurz:

  • 1 Kalbshaxe (ca. 2 kg)
  • 5 vollreife Tomaten
  • 2 Tassen trockener Weißwein
  • Meersalz, schwarzer Pfeffer aus der Mühle
  • 100 ml Olivenöl zum Anbraten

Thats it!

Werdegang der Kalbshaxe

Werdegang einer Kalbshaxe.

Einen ovalen Bräter mit dem Olivenöl befüllen und auf dem Herd heiß werden lassen (Achtung! Das Olivenöl darf nicht zu heiß werden, und keinesfalls rauchen), die Haxe mit Salz und Pfeffer einreiben, dann in dem heißen Öl rundherum anbraten. Die vom Stielansatz befreiten und in grobe Würfel geschnittenen Tomaten (sogar das Schälen habe ich mir geschenkt, so pur war ich drauf) rundherum verteilen und kurz mit anschwitzen, mit dem Weißwein ablöschen, Deckel drauf und bei 160° C (Backofen vorheizen) für 3 – 3,5 Stunden schmoren.
Wichtig ist dabei, dass nun Fenster und Türen fest verschlossen, quasi aromaversiegelt werden, sonst kommt unerwartet Besuch. So eine pure Haxe reicht nämlich gerade mal für zwei gute Esser.
Nichts ist mit Zwiebeln, Wurzelgemüsen, Tomatenmark oder gar Kalbsfond und Brühe. Das, was sich dort in dem Topf an Flüssigkeit befindet, ist der pure Geschmack von Kalb, nur hervorgehoben von der Säure der Tomaten und des Weins. Und die Sauce reicht gerade aus, für die zwei Portionen.
Das Kalbfleisch hüpft fast von allein vom Knochen, ist so saftig und so zart, dass man sich statt Messer einen Löffel nehmen kann. Wäre ich Jürgen Dollase, faselte ich jetzt von „dem sich im Mund aufbauenden Fleischgeschmacksraum“; so sage ich einfach nur „boah, schmeckt das geil!“
Dazu gab es nur etwas Brot, damit die Sauce aufgetunkt werden konnte.

Kalbshaxe

Zum Teller wäre noch etwas anzumerken: Laut dem verehrten Herrn Paulsen nennt man so eine Foodfotografie „vintage“. Also möglichst alter, angeschlagener Teller mit herrlichem Essen darauf. Dabei habe ich den Teller nicht in der Absicht gewählt, die Haxe möglichst urig zu präsentieren, sondern nur, weil es der Teller ist, von dem die nicht verheiratete, also ungebundene Sauce nicht so leicht überschwappt (und viel mehr drauf geht, als auf die anderen). Es gibt in unserem Haushalt auch nur noch zwei davon. Sie stammen aus einem Service, welches das erste eigene meiner Frau war. Ich hatte nie ein eigenes, zumindest nicht als Kalbshaxensauce (Ungebundener).

Die Bilder können zum Vergrößern angeklickt werden.

Lycopin-Junkie auf Bolognese

Tomaten, egal in welcher Form, gehören zu meinen Lieblingslebensmitteln. Sie sind nicht nur vitamin- und mineralstoffreich, sondern enthalten zudem ein Antioxidant namens Lycopin, welches der Gesundheit zuträglich ist. Nicht zuletzt schmecken Tomaten auch noch herrlich, was auch daran liegen könnte, dass natürliches Glutamat (Glutaminsäure) enthalten ist.
Neben einem guten Tomatensugo ist die bologneser Sauce eine meiner Favoriten zur Pasta. Und da sie nicht nur mein Favorit ist, sondern von der ganzen Familie am liebsten löffelweise verschnabbuliert wird, koche ich auf Vorrat. Auf Vorrat kochen heißt nicht, ein oder zwei Liter, nein, es werden ca. zwölf! Das hört sich viel an, ist es auch, reicht aber wohl nur ein paar Wochen. Warum? Weil sie – die Bolognese – äußerst vielseitig zu verwenden ist. Dazu dann weiter unten.

Gemüse für Bolognese

Das Gemüse für meine Bolognese. Lediglich die selbst geernteten Peperoncini dienen der Dekoration. Hätte ich sie an die Sauce gemacht, hätte ich vom Rest der Familie derbe Ärger bekommen.

Zu meinem Rezept: Ich benötige zu meiner Bolognese ca. vier Kilo Hackfleisch, gemischt aus Rind und Schwein, nicht zu mager. Etwa ein Kilo Zwiebeln, ganz fein geschnitten, zehn Möhren, in feine Würfel geschnitten, ebenso wie zehn Stangen Sellerie. Von letzteren hatte ich nicht so viel, deshalb kam noch ein halber Knollensellerie dazu, auch in feine Würfel geschnitten. Da diese Prozedur mit dem Messer ziemlich lange dauern würde, habe ich kurzerhand die Gemüse in der Küchenmaschine zerhackt. Nur die Zwiebeln, die habe ich geschnitten. Man will ja in Übung bleiben, zudem werden Zwiebeln leicht bitter, wenn man sie hackt. Dann benötige ich noch 250 gr Butter, 250 ml Olivenöl, einen Liter Milch, eine Flasche trockenen Weißwein, 250 gr doppelt konzentriertes Tomatenmark (ca. 62 mg Lycopin pro 100 Gramm!!!!), vier 800-Gramm-Dosen geschälte Tomaten, Meersalz, ½ Esslöffel geriebene Muskatnuss (Droge!) und schwarzen Pfeffer aus der Mühle. Und – der gleich erschreckt aufschreiende Purist möge mir verzeihen – ein Lorbeerblatt. Ein frisches, nur eins.

Lorbeerstrauch in der Küchenfensterbank

Eins von diesen Blättern war’s, welches jetzt in der Sauce schwimmt.

Solche Mengen erfordern natürlich auch ein passendes Kochgeschirr. Ich verwende dazu einen aus der Küche eines Landgasthaus Zur Linde, Fürstenhagen, wegen Umstellung auf Induktion weichen müssenden 20-Liter-Topf, den es durch glückliche Umstände in meine Küche verschlagen hatte. In eben diesen Topf kommen Öl und Butter, sowie die Zwiebeln, die angeschwitzt werden, bis sie glasig sind. Dann kommen die Gemüse dazu, die ebenfalls angeschwitzt werden, bis alles schön glänzt. Jetzt darf das Hackfleisch in den Topf, um ebenfalls – genau – angeschwitzt zu werden. Sofort salzen, damit die vom Salz heraus gezogene Flüssigkeit der Sauce zu Gute kommt. Jetzt immer gut wenden und möglichst fein zerbröseln, damit sich keine Klumpen bilden, schließlich sollen das ja keine Polpette werden.

Gemüse und Hackfleisch werden angeschwitzt

Wenn das Hackfleisch nicht mehr roh ist, sondern eine durchgehend graue Färbung aufweist, kommt Muskat, Pfeffer und der Liter Milch hinzu. Jetzt wird unter öfterem Umrühren, besser: vom Topfboden kratzen, eingekocht, bis von der Milch nichts mehr erahnt werden kann. Dann folgt der Wein, dem das gleiche Schicksal beschieden ist. Nun die geschälten Tomaten, das Tomatenmark und das eine! Lorbeerblatt, rühren, aufkochen, Ofen auf kleinste Stufe herunter schalten, und ca. 15 mal umrühren; nämlich alle 20 Minuten einmal. Und wer in der Schule gut aufgepasst hat, der weiß jetzt auch, wie lange die Sauce bei mir geköchelt hat. Wer möchte, kann auch noch länger, schadet nicht.
Im Gegensatz zu einigen anderen Köchen/Köchinnen (mit oder ohne Hobby- vorne weg), mache ich den Deckel auf den Topf. So muss ich keine Flüssigkeit nachgießen, und alle Aromastoffe, die der Sauce entfleuchen möchten, müssen wieder zurück (hä, hä). Die vorhendene Flüssigkeit ist ausreichend, um eine schöne sämige Sauce zu bekommen. Die lange Kochzeit ist nötig, damit sich zum einen eben diese Aromastoffe (zum Großteil aus den Tomaten) bilden können, zum anderen, damit psychoaktive Substanzen (auch Droge!) gebildet werden, die für die süchtig machende Wirkung der Sauce verantwortlich sind. Abgeschmeckt wird zum Schluss mit Meersalz und schwarzem Pfeffer. Dann wird so lange gerührt, bis das Lorbeerblatt auftaucht, und dieses aus der Sauce entfernt.

Bolognese wartet die nächsten Stunden auf Vollendung

Das Lorbeerblatt in der noch jungen Sauce. Noch darf es sich in ihr gemütlich machen, um Würzkraft abzugeben.

Die erkaltete Sauce wird bei uns in geeignete Gefäße gefüllt, und für spätere Verwendung eingefroren. Untertrieben gesagt: sie schmeckt ganz ordentlich.

Damit es aber nicht immer nur diese Sauce gibt, kann man sie auch abwandeln. Ab und zu füge ich einfach in kleine Fetzen gerissene Kochschinkenscheiben, Erbsen, Sahne und geriebenen Pecorino hinzu, oder mache mit Mozzarella, Spinat, etwas Paniermehl eine Cannelonifüllung daraus, oder verarbeite sie mit einer Bechamelsauce zu Lasagne, oder koche einfach für fünf Minuten frisch gehackten Knoblauch mit (Französische Art, sozusagen), gebe reichlich gehackte Blattpetersilie dazu und vermische mit Penne rigate (Parmesan oder Pecorino darüber gerieben, muss ich nicht erwähnen, oder?). Und so weiter, und so weiter … Am liebsten aber, esse ich sie immer noch so, wie sie ist, mit Tagliatelle. Eine kleine Kelle voll hebe ich allerdings auf. Diesen Rest Sauce tunke ich einfach nur mit Weißbrot auf.

Küchenfensterausblicke

Barbara möchte aus ihrer Speilwiese heraus Einblicke in des Foodbloggers Küchenfensterausblicke nehmen. Ob attraktiv oder nicht, idyllisch oder eher avantgardistisch, trübe oder fröhlich, mit oder ohne Haustiere. Bitte schön: Ein Blick aus unserem Küchenfenster auf das ehemalige Pfarrhaus unseres 390-Seelen-Dörfchens durch einen in der Fensterbank überwinternden Lorbeerbusch und zwei rechts und links flankierende Olivenbäumchen, wobei der linke im letzten Jahr doch etwas zu lange auf dem Balkon bei eisiger Kälte nächtigen musste – was man ihm leider ansieht.

Ausblick aus dem Küchenfenster rechts

Dies ist die rechte Seite des Ausblicks, die linke Seite präsentiert einen Blick auf eine alte Scheune des gegenüber liegenden Bauernhofes, inklusive der Verrohrung der Güllepumpe. Kaum zu erkennen: der allgegenwärtige Basilikum in der Fensterbank, über dessen Grün wir auf diese Idylle schauen (müssen). Am rechten Bildrand noch die Ecke des Ex-Pfarrhauses zu erkennen, wo neben der Dachrinne in Höhe des Übergangs zwischen Erd- und Obergeschoss jedes Jahr wieder Vögel ihr Nest einrichten, was uns immer wieder interessiert aus dem Fenster schauen lässt, und uns damit für brummende Güllepumpen entschädigt.

Ausblick aus dem Küchenfenster links

Eine schöne Idee übrigens, liebe Barbara.

Mozzarella bianco e rosso

Blogevent | Mozzarella Revolution | 1.10.-31.11.09 Wenn man schon so etwas angeschoben hat, dann muss man natürlich auch mitmachen. Vor Start des Events hatte ich hier schon einmal etwas experimentiert, jetzt aber mein Beitrag zur Mozzarella-Revolution:

Mozzarella bianco e rosso

Für vier Personen benötige ich vier mittelgroße Rote Beete, 500 g Büffelmozzarella, Fleur de Sel, allerbestes, fruchtiges Olivenöl, entsteinte, in eigenem Öl eingelegte Taggiasca-Oliven (wahlweise grüne Noccellara aus Sizilien), ein paar Spritzer Chianti-Essig, e basta! Mehr nicht. Klingt einfach, ist es auch. Von den Rote Beete die Blätter abschneiden (muss man nicht wegwerfen, wenn sie noch schön frisch sind, kann man sie als Salat verwenden) und gut waschen. In Alufolie einwickeln und bei 160°C (Umluft) in den vorgeheizten Backofen geben. Kleine Beete brauchen etwa 45 – 60 Minuten, größere entsprechend länger. Kann man mit einem Zahnstocher testen, sollte man aber nicht zu oft machen, damit die Rote Beete keinen Saft verlieren. Wenn sie gar sind – bitte nicht zu weich werden lassen – aus dem Ofen nehmen und abkühlen lassen. Das kann man zwar gut vorbereiten, allerdings sollen die Beete nicht kalt serviert werden, also nicht im Kühlschrank lagern, sondern frisch zubereiten. Am besten schmecken sie, wenn sie noch ein wenig warm sind. Die Rote Beete aus der Folie nehmen, die Haut lässt sich jetzt leicht abziehen. Nun in ca. 3 mm dicke Scheiben schneiden. Den mindestens eine Stunde vorab aus dem Kühlschrank befreiten Mozzarella ebenfalls in Scheiben schneiden, vorzugsweise auf einem anderen Schneidebrett. Jetzt beides abwechselnd im Kreis auf einem Teller anrichten: linke Hand Rote Beete, rechte Hand Mozzarella (oder umgekehrt). Warum? Da kommen Sie schon drauf! Die Mitte des Tellers mit Rote Beete auffüllen. Nun mit Fleur de Sel würzen. Ich mag das etwas grobere, nur mit den Fingerspitzen zerriebene Fleur, wegen der Textur. Geht natürlich auch fein gemahlen. Dann großzügig mit dem Olivenöl beträufeln, den Oliven belegen und final wenige Spritzer Chianti-Essig darüber geben. Das war schon alles. Und bevor jetzt noch dieses oder jenes dem Rezept zugefügt wird: Tun Sie mir den Gefallen, und probieren Sie es erst so (auch unbedingt diese Garmethode für die Rote Beete anwenden, nicht gekochte oder gar aus dem Glas entnommene verwenden; für letzteres kann man in die Hölle kommen, ehrlich)! Danach können Sie natürlich machen, was Sie wollen.

Mozzarella bianco e rosso

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Pekeressen

Lebte man beispielsweise in der Region um das Elsass, dann könnte man auf einen reichen Schatz kulinarischer Traditionen zurückgreifen. Vom Baeckeoffe, einem deftigen Fleischeintopf, über das Sauerkraut, dem Coq au vin oder dem Quiche Lorrain, sowie dem Zwiebelkuchen gibt es zahlreiche traditionelle Gerichte, mit Hilfe derer sich die Region genussbetont darstellen ließe. Dieses Glück ist dem – seit grauer Vorzeit eher genussasketischen, weil armen – Uslarer Land leider nicht beschieden. Trotzdem hat man sich kulinarisch auf eine Spezialität geeinigt: die Kartoffel. Als „Onkel Pelle“ ist sie gar das „Wappentier“ der Stadt Uslar, und nervt in allerlei lustigen Erscheinungsformen das Auge des Betrachters. Von der Optiker-Kartoffel, über die Heizungsmonteur-Kartoffel und der Zeitungsausträger-Kartoffel, bis zur Tischler- und Wirt-Kartoffel ist fast jeder Berufszweig vertreten. Nicht, dass ich etwas gegen die Kartoffel hätte, im Gegenteil. Nur lässt die Kartoffel allein noch keine Begeisterungsstürme auf dem Olymp der Kulinaristik zu.
Deswegen gibt es ja auch das Pekeressen. Wobei Peker nichts mit der Kartoffel zu tun hat, sondern sich von dem umgangssprachlichen „peken“ als Synomym für „kleben“ ableitet. Als im Elsass schon reichlich Baeckeoffe verzehrt wurde, da hatte man im Uslarer Land oft Mühe, satt zu werden. Nach der Kartoffelernte freute man sich darum, wenigstens ein paar Kartoffeln essen zu können. Diese wurden gewaschen, halbiert und an den heißen Ofen „gepekt“. Dort klebte sie so lange, bis sie gar war und dann in darunter stehende Körbe fiel. Gegessen wurde sie mit etwas Salz und – wer hatte – Butter. Später, als man sich auch Hausschlachtungen leisten konnte, wurde ein frisches, gewürztes Mett dazu gereicht – Luxus pur.
Heutzutage besteht dieses Pekeressen aus dem Pekermett – einem sehr würzigen Schweinemett – in der Pelle gegarten Kartoffeln, Zwiebelscheiben, Butter und eingelegtem Essiggemüse, meist Essiggurken. Damit nun diese kulinarische Glanzleistung gebührend gefeiert werden kann, gibt es in Uslar, jedes Jahr im September, den Pekermarkt. Die Innenstadt ist mit Verkaufs-, Bier- und Essständen zugestellt, auf drei Musikbühnen erschallen Musikstücke von Jazz, Volksmusik bis Rock und Pop, wobei wir auch den Fanfarenzug nicht vergessen wollen. Und vor den Fleischereien und Gaststätten wird im Akkord Peker gegessen. Das sieht dann so aus:

Pekeressen in Uslar

Und auf dem Pappteller so:

dekoratives Pekeressen in Uslar

Da ich diese luxuriöse Variante des Pekeressens immer noch nicht so ganz gaumenkitzelnd finde, habe ich mich mal an eine Variation gewagt. Geboren aus zehn Minuten Nachdenkens und dem Wunsch, in dieser Region zumindest einen Hauch von Geschmack zu etablieren. Gut, wir werden hier wohl nie in einem Satz mit dem Elsass genannt werden, aber ein „Dazulernen wollen“ sollte man uns doch bitte bescheinigen.
Die Kartoffeln habe ich gewaschen, der Länge nach halbiert und mit einer Mischung aus Olivenöl, Meersalz, gemahlenem Kümmel und einer Messerspitze gemahlenen Bockshornkleesamens bepinselt. Mit der Schnittfläche nach oben auf einem Blech in den 180°C heißen Backofen geschoben, benötigen sie ca. 40 Minuten bis sie gar sind, und die Oberfläche knusprig gebräunt ist (früher, am Ofen pekend, muss die Schnittfläche eher schwarz gewesen sein, aber schwarz ist ja noch lange nicht verbrannt, wie jeder Koch weiß).
Dazu habe ich ein Zwiebel-Tomaten-Chutney gemacht: Eine Gemüsezwiebel in grobe Würfel geschnitten und in Olivenöl glasig gedünstet. Vollreife Tomaten entstielt und ebenfalls in Würfel geschnitten dazu gegeben. Mit etwas weißem Balsamico abgelöscht, mit Meersalz und Pfeffer aus der Mühle gewürzt und kalt werden lassen.
Aus Sahnequark, Meersalz und scharfem Ajvar eine Quarkpaste gerührt, separat eine Essiggurke (ja gut, die passt wirklich dazu) dekorativ geschnitten und ein paar Zwiebelringe sowie kleine Kapern dazu gegeben.
Das Mett war leider nicht meine erste Wahl, ich schaffte es nicht zu meinem „Pekermettschlachter“ in Uslar und musste improvisieren. Wie man auf dem Foto sehen kann, war der Fettanteil etwas zu hoch, das Mett zu grob (die Kartoffeln sehen hier eher aus wie Kartoffeltaler, was aber an der Perspektive liegt, das Fotografieren muss ich noch ein wenig üben).

Pekeressen im Olivenölkontor

Nun kann jeder selbst entscheiden, welche Variante er bevorzugt. Von mir gibt es dann in den nächsten Jahren jedes Jahr eine neue Variante. Falls ich das Versprechen vergessen sollte, darf man mich gern daran erinnern.

Update 2012: Das taugt doch glatt zu diesem Event.

Ugly Food

You say you want a (Mozzarella-) revolution

Well, you know, we all want to change the world!* Die Buntköchin zettelt eine Revolution an. Eine Mozzarella-Revolution. Sie mag den ewigen Insalata Caprese nicht mehr, und wünscht sich Abwechslung. Geht gar voran mit einem Rezept, welches mir persönlich etwas zu heftig ist, denn das milde Moschusaroma des Mozzarella will umschmeichelt werden, ganz sanft, sodass alle Aromen zur Geltung kommen, und nichts dominiert. Zugegeben, das ist nicht ganz einfach, denn in der simplen Zubereitung des Caprese ist die Einfachheit nicht Einfaltslosigkeit, sondern Prinzip. Weniger ist nämlich oft mehr. Trotzdem wage ich mich auch an die Zubereitung von Mozzarella-Gerichten, die etwas mehr Zutaten als die paar des Caprese beinhalten. Zuerst ist wichtig, dass man den richtigen Mozzarella benutzt. Es muss unbedingt Büffelmozzarella sein, wobei der aus dem Supermarkt nur Notbehelf sein sollte, denn wer einmal einen guten Mozzarella aus der Campana gekostet hat, der kann sich an nichts anderem mehr so richtig erfreuen. Ich konnte einen im wahrsten Sinne des Wortes ausgezeichneten Mozzarella ergattern. Der Unterschied liegt in der Konsistenz und im Geschmack. Und – leider – auch im Preis. Dieser, nur im Feinkosthandel zu erwerbende Mozzarella kommt mit Kilopreisen um die 28,- Euro daher, der Supermarkt-Büffelmozzarella ist schon für die Hälfte zu haben.

Mozzarella vom Feinsten

Da man zwingend wissen sollte, wovon man redet, wenn man „Insalata Caprese“ sagt, hier das Rezept: Büffelmozzarella, Tomaten (vorzugsweise sonnengereift, Cuore di bue oder die sardischen Costoluto sind hervorragend geeignet), Fleur de Sel, schwarzer Pfeffer aus der Mühle (muss aber nicht zwingend sein), allerbestes Olivenöl und Basilikumblätter, frisch gezupft (nicht geschnitten, das gibt schwarze Ränder). Mehr nicht. Basta!!! Nein, kein Essig, kein Balsamico. Kann man zwar machen, ist aber kein Caprese.
Meine Kreation ist eine Variation, die vom Caprese über eine sonnig-herbstliche, verspielte Abwandlung bis zur eher deftigen „Törgelen-Variante“ reicht, die mangels Südtiroler Speck mit Schwarzwälder Schinken zubereitet wurde – man kann ja nicht immer alles im Haus haben, außer etwas Kreativität.

Mozzarella tris

Zu 1: Der Insalata Caprese, mal eher hoch statt flach.
Zu 2: Tomaten und Mozzarella mit einem Dressing aus einem Esslöffel weißem Balsamico, drei Esslöffeln feinstem Olivenöl, Fleur de Sel, schwarzem Pfeffer aus der Mühle, zwei halben gehackten, getrockneten Tomaten. Daneben schmiegen sich in ihrem eigenen Öl eingelegte, entsteinte Taggiasca-Oliven aus Ligurien, aus der Ölmühle Roi an die Kreation, obenauf finden rote und gelbe, gegrillte und in Öl eingelegte Paprika ihr dekoratives Plätzchen. Blattpetersilie könnte, muss aber nicht.
Zu 3: Abate Fetel (das ist eine italienische Birnensorte), Mozzarella, Schwarzwälder Schinken in einem Zentimeter breiten, dünnen Scheibchen, ein erstklassiges, sehr fruchtiges Olivenöl (Principe di Mascio) und ordentlich schwarzer Pfeffer aus der Mühle (meine bevorzugte Sorte ist Telly Cherry, leider nicht so leicht zu bekommen). Wer es noch ein wenig schärfer möchte, experimentiere mit Peperoncini.

Den „Showteller“ hat meine Tochter bekommen. Feinschmeckerin und willkommene Kritikerin meiner Küche. Das sah dann hinterher so aus:

abgegessen

Mozzarella ist vielseitig. Es muss kein Caprese sein, es sind andere Variationen denkbar, auch süße übrigens. Mit Thymian-Honig zum Beispiel. Man sollte trotzdem nicht übertreiben, denn zu viele Aromen auf einmal überfordern und verwirren den Gaumen. Letztlich aber ist dies, wie so ziemlich alles im Leben, Geschmackssache.

*Bis hierher, frei nach den Beatles: Revolution.

Für Kurzentschlossene: günstiger Urlaub in der Toskana!

Gefreut hatten wir uns das ganze Jahr darauf, auf unseren Urlaub in Montescudaio (bei Cecina). Leider spielt einem auch mal die Gesundheit einen Streich, sodass wir nicht fahren können. Deshalb an alle Interessierte: Vom 03. bis 17. Oktober können Sie unseren Termin in einer Ferienwohnung in Montescudaio (max. vier Personen, zwei Schlafzimmer, Küche, Bad mit Dusche, Wohnzimmer, Terrasse, nette, deutsch sprechende Vermieterin, 230,– €/Woche) übernehmen. Bei Interesse bitte eine Mail mit Ihren Kontaktdaten an info@olivenoelkontor.de, wir melden uns umgehend mit allen Einzelheiten und Link zu dem Angebot.

Rinderbrühe Teil 2 – Fleisch

Knochenbrühe

Die Markbrühe ist fertig, insgesamt hat sie acht Stunden vor sich hin gesimmert und duftet jetzt schon betörend. Die Brühe passiere ich nun durch ein Baumwolltuch (dies sollte möglichst der Kochwäsche ohne Waschmittelzugabe entstammen, wer will schon eine Brühe, die nach Ariel schmeckt, oder gar nach dem weißen Riesen?), damit sämtliche Trübteilchen und auch der Rest des Fettes gefiltert werden. Insgesamt ergibt das wieder 10 – 12 Liter Brühe, die ich auf 15 Liter aufgieße. Die Brühe ist hell und klar. Salz hat sie noch keines gesehen, ist auch noch nicht gewollt. Jetzt kommt das Fleisch!

Die Rinderunterschale

Für den ultimativen Fleischgeschmack soll jetzt eine Rinderunterschale sorgen. Diese kommt aus Deutschland, ist hier aufgewachsen und geschlachtet, sowie zerlegt worden. Da das Fleisch hauptsächlich als Aromengeber fungiert, ist die Fleischqualität nicht obere Priorität, denn das was übrig bleibt, ist einfaches Siedefleisch, dem fast das ganze Aroma entzogen wurde. Egal, was ich hinterher damit anfange, ich muss wieder Aromen hinzufügen.
Natürlich hätte ich auch Rinderbrust oder Rinderwade, bzw. Beinscheiben nehmen können, damit machte ich dem Rest der Familie wenig Freude, weil nicht mager und nicht haut-, knorpel- und sehnenlos genug (das Fleisch, nicht die Familie). Also: magere Unterschale. Gehofft hatte ich, dass die „Punta di Falda“ es bis zu mir schaffen würde, leider war das nicht der Fall. Mit sauberem Schnitt entfernt und anderweitig verkauft. Im Nachhinein bin ich nicht böse. Warum nicht? Später!

Die Rinderunterschale in drei Teilen

Die Unterschale habe ich in drei Stücke geschnitten. Sie wog 5,5 kg, weshalb es in einem Stück nicht sinnvoll erschien. Zudem braucht die etwas flachere Seite weniger lang, um zart zu werden.
Die Brühe (und meine Frau, ob des Riesenabwasches) zum Kochen gebracht, die drei Stücke hineingelegt, gewartet, bis die Brühe wieder vor sich hin simmert, dann den Herd heruntergeschaltet, damit das Fleisch nur ganz zaghaft kurz unter dem Siedepunkt gart. Das hat es dann getan. Sechzehn Stunden lang. Ungelogen. Erst nach dreizehn Stunden war das kleinste Stück Fleisch so zart, dass man es auch genießen konnte (siehe unten). Weitere drei Stunden mussten die beiden dickeren Stücke in der Brühe aushalten. Deshalb glaube ich, dass ich mit der „Punta di Falda“ schlecht bedient gewesen wäre, denn erstens scheint das Fleisch kaum abgehangen gewesen zu sein, und zweitens war das mitnichten ein wirkliches Qualitätsrind. Ich tippe eher auf ein älteres Semester, so lange wie das Fleisch köcheln musste.

gekochtes Rindfleisch

Was passiert nun während dieser langen Zeit in dem Topf? Zuerst gerinnt das Eiweiß. Dann, nach und nach, bei Temperaturen kurz unter dem Siedepunkt wird das Kollagen, welches die Muskelfasern umgibt zersetzt und geht in die Brühe über, dies wiederum löst die Gelatine aus Fleisch, Haut, Sehnen und Knochen oder Knorpeln (falls vorhanden). Zudem werden im Fleisch enthaltene Mineralsalze gelöst und in die Brühe abgegeben. Nicht zu vergessen sind die Fette, die die besten Aromaträger sind. Auch wenn das meiste Fett hinterher abgeschöpft wird, so bleibt doch genug Aroma in der Brühe zurück, denn auch, wenn unlösliche Verbindungen unlöslich scheinen, sind sie es nicht ganz. Um die Aromastoffe aus dem Fett zu lösen, reicht die lange Kochzeit aus, diese in die Brühe abzugeben. In der Parfümherstellung nutzt man eine ähnliche Methode um aus Rosen- oder anderen Blättern und Ingredienzien, das reine Parfum zu extrahieren. Was passiert noch? Flüchtige Fleischmoleküle verlassen während der langen Kochzeit schnöde und zutiefst gelangweilt unsere Brühe. Das ist schlecht. Sie feiern dann aber, endlich aus ihrem Gefängnis/Topf befreit, richtig Party und reagieren außerhalb des Topfes mit einer Maillard- und anderen Bräunungsreaktionen, finden wieder in die Brühe zurück, und reichern diese mit einer Vielzahl von Geschmacksmolekülen an. Das ist gut, sehr gut! (Wer mehr über die chemischen Prozesse beim Kochen wissen möchte, dem empfehle ich das Buch von Hervé This-Benckhard, Rätsel und Geheimnisse der Kochkunst, ISBN 978-3-492-23458-0)
Das Ergebnis ist eine goldfarbene Brühe, die ohne weitere Zutaten als Wasser, Markknochen und Rindfleisch auskommen musste, und den konzentrierten Rindgeschmack bietet. Einfach eine Tasse Brühe mit etwas Meersalz würzen, und schwelgen. So muss eine Fleischbrühe schmecken. Keine Geschmacksvertärker, keine Hefen, keine Gemüse, nichts weiter. Jeder sollte so eine Brühe einmal gekocht haben, damit er weiß, wie Brühe schmecken muss. Nämlich nicht nach Maggi, Knorr und Co.

fertige Brühe

Erst jetzt, nachdem die Brühe nochmals passiert ist, und gülden in meinen Plastikeimern (lebensmittelecht, versteht sich) schimmert, kümmere ich mich um komplette Mahlzeiten, die man mit der Brühe bereiten kann. Nicht, dass es nicht auch noch besser, mit noch mehr Geschmack ginge. Das geht durchaus. Aus diesem neutralen Rinderfond ließe sich jetzt auch noch eine viel gehaltvollere Fleischbrühe zaubern, indem man beispielsweise in der kalten Brühe Rinderbrust, Kalbshaxe, Lammnacken und ein angebratenes Suppenhuhn aufsetzt, möglichst langsam zum Kochen bringt, und weitere vier Stunden unter Abschäumen und Beigabe von Karotten und Sellerie, sowie einer halbierten, ungeschälten und an den Schnittflächen gut angebratenen Zwiebel der Vollendung entgegen simmern lässt. Paul Bocuse macht das zum Beispiel so.
Wer es anfangs nicht gemerkt hat: Will man eine gute Brühe, muss man das Fleisch kalt ansetzen und langsam erhitzen, damit die guten Aromen an die Brühe abgegeben werden können, bevor das Eiweiß gerinnt. Das Fleisch ist dann allerdings kaum noch für irgend eine Art von Zubereitung zu gebrauchen, es schmeckt nach nichts, und braucht reichlich zusätzliche Aromen, um genießbar zu sein. Ich machte also einen Zwitter. So blieb ein Hauch von Saftigkeit erhalten, welches ich mit einem einfachen Rindfleischsalat testete:
Von dem erkalteten, aber nicht kalten Fleisch schnitt ich ein paar dünne Scheiben ab, und drappierte sie auf einen Teller. Dazu rührte ich mir ein Dressing aus zwei Esslöffeln der Rinderbrühe, einem Esslöffel altem Balsamico, einem Esslöffel fruchtigem Olivenöl und etwas Meersalz zusammen, welches ich auf dem Fleisch verteilte, nebst ein paar halbierten gelben Cocktailtomaten. Mehr nicht. Kein weiteres Gewürz, vor allem kein Pfeffer. Wunderbarer Geschmack, ohne Schnörkel.

einfacher Rindfleischsalat

Die Brühe, oder der Rinderfond ist nun rein und klar, goldgelb, wohlriechend und -schmeckend. Eine ideale Basis zur Weiterverarbeitung. Was immer den Rindfleischgeschmack benötigt, kann mit dem Fond veredelt werden. Auch wenn es nur eine einfache Suppe werden soll: Wurzelgemüse, Lorbeerblatt, angeröstete Zwiebel (wie oben) dazu, eventuell Eierstich, Markklößchen, whatever, eine tolle Suppe ist das Ergebnis. Meerrettichsoße zum Rindfleisch (steht heute auf dem Speiseplan), Geschmacksbringer für fade Soßen und Suppen, Terrinen, Sülzen und Gemüse. Diese 15 Liter sollten bis zum Jahresende als portionierter, eingefrorener Vorrat reichen.
Das, was nun nicht mehr in die Truhe passt, werde ich morgen verarbeiten. Vielleicht zu einem Bollito Misto? Mal schauen …

Anonyme Köche – das Buch

Cover Anonyme Köche

Dass es ein Buch vom Kochsüchtigen für Kochsüchtige ist, merkt der aufmerksame Leser schon beim ersten Rezept. Die Selbstverständlichkeit, das angebratene Fleisch für das Ragú wieder in die reduzierte Flüssigkeit zu geben, um es anschließend stundenlang zu schmoren, wird gar nicht erwähnt – ist doch klar, oder? Davon abgesehen, der einzige kleine Fauxpas, der die nachkochende Hausfrau, den Hausmann oder gar Hobbykoch/köchin irritieren könnte.

Ragú

Alle Rezepte sind leicht nachzuvollziehen und ebenso leicht nachzukochen. Doch handelt es sich bei dem Buch nicht wirklich um ein Kochbuch. Es ist eher eine Lebenphilosophie, in kleine Kochgeschichten amüsant verpackt. Zudem eine Philosophie, der ich unbedingt zustimmen möchte: weg vom Komplizierten, hin zur Einfachheit. Zum natürlichen Geschmack der Grundzutaten. Liest man sich beispielsweise durch die teilweise recht umfangreichen Arbeitsschritte in den Rezepten von „Witzigmanns junges Gemüse“, so ist es einfach erfrischend, wie Claudio del Principe den Stängelkohl (eine Art Broccoli, nur kleiner) mit Pasta verarbeitet. Das kann jeder, das will jeder, das schmeckt jedem.

Pasta mit Staengelkohl

Blog wie Buch, Buch wie Blog

Erwartungshaltung kann manchmal eine rechte Qual sein. Hält man dann endlich in Händen, worauf man sich so sehr gefreut, und fällt es dann nicht so aus, wie erwartet, ist die Enttäuschung groß. Die Gefahr besteht bei den Anonymen Köchen durchaus, denn das Buch ist wie der Blog. Es gibt wenig Neues und keine Boni in Form von unveröffentlichten Geschichten oder Rezepten. Ich finde das gut, habe eigentlich auch nichts anderes erwartet. Nun aber kann ich ein Buch in die Hand nehmen, wenn ich eine Geschichte nachlesen möchte, ein Rezept oder eine Geschichte meiner Frau oder Freunden vorlesen, oder mir die Zeit auch ohne Computer mit einem Buch auf der Couch vertreiben will. Denn ein Buch ist ein Buch, ein durchaus auch sinnliches Erlebnis.

Es ist ein Buch, in dem ich auch zukünftig öfter lesen werde. Einfach, weil es gut geschrieben ist, weil es meine Art von Humor ist, und weil es viele Kochwahrheiten enthält die Profis bekannt sein sollten, aber nicht immer sind. Wer weiß schon, dass es Stunden braucht, um eine wirklich gute Tomatensoße herzustellen? Alle Leser der Anonymen Köche wissen das jetzt. Eine 15-Minuten-Tomatensoße, die auch noch schmeckt, gibt es nicht. Auch, wenn immer noch viele Profiköche uns das glauben machen möchten. Erst das stundenlange Köcheln der Tomaten fördert den Prozess der Aromenbildung aus Aminosäuren, Zuckern und so genannten Neurotransmitter-Analoga. Sogar psychoaktive Substanzen entstehen dabei, und die machen süchtig. Nach mehr – und nach mehr Lektüre der Anonymen Köche.

Illustrationen von Patrick Widmer

Nicht unerwähnt lassen möchte ich die gelungenen Illustrationen von Patrick Widmer. Mit wenigen Strichen und Formen Stimmungen erzeugen, möchte jeder können, kann aber nicht jeder. In jedem Fall sind sie eine Bereicherung für das Buch, das einzige und gelungene Extra.
Mein Fazit: Kaufempfehlung an alle, die sich zwar ernsthaft mit Kochen beschäftigen, die aber alles andere als verbissene Rezeptfanatiker sind. Kochen ist vor allem Freude. Freude, die man teilen sollte. Claudio del Principe hat sie mit seinen Lesern geteilt. Danke, Claudio!

Ochsenkotelett

Trotz viel Fisch, Pasta und Gemüsen, bleibt das eine meiner Lieblingsgeschichten. Ein gutes Stück Rindfleisch zu essen, ist einfach nur himmlisch. Konzentration auf das Wesentliche, das Urwüchsige: Feuer & Fleisch!