Spaniens Olivenöl Nr. 1

Jawoll! Und im Himmel ist Jahrmarkt, und bei „Feinkost Dittmann“ stehen die Buden! Eine Pressemeldung beim Gourmet-Report will uns da weiß machen, dass das „La Española“ das beste und bekannteste Olivenöl Spaniens sei. Eine kleine Suchmaschinenrecherche führt das schnell ad absurdum. Zudem möchte „La Española“ mit Omega 3-Fettsäuren glänzen. Das funktioniert allerdings nur, wenn diese künstlich zugesetzt werden. Also handelt es sich nicht mehr um ein Naturprodukt, und schon gar nicht um ein Extra Natives Olivenöl. Wenn man sich dazu noch den Preis von 4,99 € pro Halbliterflasche anschaut, wird sehr schnell klar, um was für ein „Qualitätsprodukt“ es sich wirklich handelt. Ich nenne so etwas Konsumentenverdummung.

Von Olivenölgrieß und Pennerglück

Über diesen Beitrag der Molekularköche bin ich auf dieses Video des Köcheportals kochmuetzen.net gestoßen. Hier geht es um einen Molekular-Kochkurs (beinahe hätte ich molekularen Kochkurs geschrieben) von Lars Ginsberg, der zeigt, wie man mit allerlei Pülverchen und flüssigem Stickstoff tolle Sachen zaubert. Zum Beispiel Nudeln aus Olivenöl, Kaviar von Rote Beete oder Olivenölgrieß über einem niedrig gegarten Lachs, der dann fauchend und rauchend daherkommt, wie einst der Chattanooga Choo Choo. Alles ist „lecker“ und „schmeckt auch nach was“. Schaut man genauer hin, wird schnell klar, dass es hier fast ausschließlich um den Aha-Effekt geht. Kein Wort über die verwendeten Zutaten, wie zum Beispiel das verhunztwendete Olivenöl (außer den Pülverchen und der Isi-Werbeveranstaltung), der Effekt steht im Vordergrund – wie im Zirkus halt. Dass sich aus minderwertigen Zutaten nun mal keine kulinarischen Highlights zaubern lassen (man kann schließlich auch aus Sch … keine Butter machen!), habe ich dann mittels Screenshot festgehalten:

Pennerglück und Kalkentferner aka Essigessenz

Screenshot: a.c.media

In wessen Küche mit „Pennerglück“ aus dem untersten Supermarktregal und Kalkentferner aka Essigessenz gekocht wird, in dessen Restaurant möchte ich nicht einkehren. Ganz egal, ob die Olivenölnudeln auch „nach was schmecken“.

Darauf haben alle gewartet

Dieses ganz besondere „Anzeigen-Fundstück“ ist meinem Bloggerfreund Claudio gewidmet, der jetzt sicherlich in den nächsten Zeitschriftenhandel rennen wird, um auf dem Elaborat lustvoll herumzutrampeln.
Dass noch niemand vorher auf die Idee kam, eine Zeitschrift „Lecker“ zu taufen, ist natürlich ein Versäumnis ersten Ranges. Wiedergutmachung versprechen Themen wie „Jamie Oliver backt Brot“ oder 1 (eins) Teig – 4 (vier) Kuchen, sowie „Diät mit Ballooning“. Gerade Letzteres stelle ich mir spannend vor: Da macht jemand Diät und nimmt ab. Wenn er dann abgenommen hat, bläst man sie/ihn auf, um das vorherige Erscheinungsbild wieder herzustellen. Also, so stelle ich mir das jedenfalls vor.
Ach ja, „Frische Frühlingsküche“ gibt es auch noch in der ersten Ausgabe. War natürlich kaum zu erwarten, so ein innovatives Thema einer „Kochen-und-genießen-Zeitschrift“. Traut sich mit Sicherheit auch keine andere Zeitschrift mehr.
Am erschreckendsten fand ich aber die Versprechung am Ende der Anzeige: „Alles wird lecker!“ Der Horror, oder?

Furchtbar: Alles wird lecker!