Sensation: Olivenöl hilft gegen Demenz – Papst schwört ab

Wie einige Kirchenoberen der katholischen Kirche im Vatikan feststellen mussten, wirkt der exzessive Verzehr von Olivenöl dem geistigen Verfall entgegen. Nachdem der Papst in den letzten drei Wochen dem heimischen Livio, Mazola und der Sanella abgeschworen hatte, und diese Fette mit Olivenöl ersetzte, sind auf einmal wieder intelligente Äußerungen von Papst Benedikt zu vernehmen. Geradezu revolutionär die Entscheidung, die Pius-Brüderschaft aus der Kirche zu entfernen. Ja, man sah den Papst angeblich sogar mit Kondomschachteln hantieren – natürlich von Fromms.
Einige Bischöfe seien darauf hin sehr pikiert, und erklärten den Insalata Caprese zum Insalata non grata.

Insalata non grata

Insalata non grata.

Bildquelle: Paul-Georg-Meister/pixelio.de

Weitere Bestrebungen, den Papst vom Olivenöl fern zu halten, und doch lieber Rapsöl zu verwenden, fruchteten nicht. „Raps, das war sein letztes Wort, dann trugen ihn die Englein fort!“ sind für Benedikt geradezu der Beweis für die Schädlichkeit der Verwendung anderer Fette als Olivenöl. So sei er froh, war zu vernehmen, dass die geistigen Flatulenzen der letzten Monate endlich ein Ende gefunden hätten. Nun konzentriere er sich wieder auf die vor ihm liegenden Aufgaben (einige Bischöfe nämlich, legten sich vor ihm auf den Kirchenboden, und gaben kund, ihr Amt aufgeben zu wollen) und spiele mit dem Gedanken, den Dalai Lama und einige Ayatollas zur Bibelstunde einzuladen.
Einen Nachteil hätte der Verzehr von literweise Olivenöl täglich, war unter dem Siegel der Verschwiegenheit von der Klononne zu erfahren: „Der heilige Stuhl ist jetzt öfter!“

Gestern beim Kaffeetrinken …

… an dem einige Freundinnen meiner Frau teilnahmen: Die sportliche D. mümmelt an ihrem Stück Minikuchen herum, und begründet ihre Bescheidenheit mit hohen Cholesterinwerten. „Also, ich weiß gar nicht, warum ich so hohe Werte habe, dabei ernähre ich mich doch so gesund. Nur wertvolle Fette und so.“ „Kann nicht sein,“ sagt meine Frau, „bei uns hast Du noch nichts gekauft!“ (Das nenne ich mal Loyallität!) „Na ja,“ meint D., „Omega-3-Fettsäuren, und so.“ Das ‚und so‘ führt sie nicht näher aus, aber zu den Omega-3-Fettsäuren gibt es dann doch einiges aufzuklären. Jahrelang sagte man den Fettsäuren aus dem Seefisch wahre Wunderdinge nach. Schutz vor Herzinfarkt und Krebs zum Beispiel.
Nach dem endlich einmal evidenzbasierte Untersuchungen stattgefunden haben, das heißt, Untersuchungen, die sich auf Beweise aus der Medizin stützen, musste erklärt werden: Omega-3-Fettsäuren schützen weder vor Krebs, noch vor Herzinfarkt (im Gegensatz zu Olivenöl), und haben keinerlei positive Auswirkungen auf die Sterblichkeit.
Fakt, liebe D., ist also, dass Du einfach dem Marketing und der Augenwischrei der Raps- und Fischölindustrie aufgesessen bist. Wie so viele andere auch …

Quellen: „Wer gesund isst, stirbt früher.“ Udo Pollmer/Dr. Monika Niehaus, Hooper, L. et al.: „Risk and Benefits of omega 3 fats for mortality, cardiovascular disease, and cancer: systemati review.“ British Medical Journal 2006

Zwiebelsuppe ohne Tubaspiel

Sie hat ja so was an sich, die Zwiebelsuppe. Sie steht in dem Ruf, Blähungen zu verursachen, mitunter sogar mit Todesfolge. Alles Quatsch, natürlich. Eine gut gemachte Zwiebelsuppe bläht noch nicht einmal. Dafür habe ich Zeugen!
Damit nun auch andere in den Genuss pupsfreier Zwiebelsuppe kommen, hier mein Rezept. Die Menge ist so bemessen, dass mindestens zehn Personen ein Süppchen abbekommen. Wenn so viele Gäste nicht geladen, die Familie nicht groß genug, oder Sie sogar Single sind, egal, machen Sie trotzdem soviel. Sie schmeckt auch aufgewärmt und lässt sich zur Not einfrieren. Ich benötige ca. zwei Kilo Zwiebeln, knapp zwei Liter kräftige Fleischbrühe, 250 ml trockenen Weißwein, 100 ml Cognac, 100 g Butter und 50 ml Olivenöl, sowie ein Lorbeerblatt. Pro Person eine Scheibe geröstetes Weißbrot und je eine Scheibe Schweizer Gruyère zum Überbacken.

Stationen der Zwiebelsuppenherstellung

Zum Fotografieren des Endprodukts hatte ich leider nicht mehr die Zeit, die Gäste schrien schon nach der nächsten Portion. Aber ich habe ja noch was zurück behalten …

Die Zwiebeln schneide ich in dünne Streifen und lasse sie in der Butter mit dem Olivenöl angehen. Sie sollen keine Farbe nehmen, sondern nur glasig werden. Bei der Menge dauert es ungefähr 15-20 Minuten. Dann lösche ich mit dem Cognac und dem Weißwein ab, fülle mit der Fleischbrühe auf und gebe das Lorbeerblatt dazu. Das Ganze soll mindestens eine Stunde sanft vor sich hin köcheln. Abgeschmeckt wird ausschließlich mit Meersalz und Pfeffer aus der Mühle. Das überaus wichtige Lorbeerblatt wird aus der Suppe verbannt. Der Geschmack ist nun optimal, um nicht geil zu sagen. Nun in Suppentassen füllen, das der Tasse mittels Ausstechen angepasste Weißbrot darauf geben, den Käse auf das Weißbrot drapieren und die Tassen unter dem Grill oder im Backofen bei Oberhitze überbacken. Ist der Käse schön gebräunt, gleich servieren und die Gäste währenddessen auf die sehr heiße Suppentasse hinweisen. Finger verbrennen wär’ ja blöd.
Schuld an der blähenden Wirkung der Zwiebel ist übrigens ein Zuckermolekül namens Rhamnose. Dieses kann im Dünndarm nicht verwertet werden, sondern wird erst im Dickdarm durch Bakterien zersetzt, wobei die berüchtigten Flatulenzen entstehen. Durch die Zubereitung und vor allem die lange Kochzeit werden die meisten der Moleküle unschädlich gemacht, sodass Sie die Zwiebelsuppe unbeschwert genießen können. Reagieren Sie trotzdem mit Blähungen auf dieses Süppchen, bliebe Ihnen immer noch eine Karriere als Kunstfurzer.

So eine Zwiebelsuppe eignet sich übrigens hervorragend als Katersüppchen. Dafür habe ich auch Zeugen!

“Orgie in rot” oder “Schinken-Aronia-Sülze auf Radicchio-Salat”

Vom lieben Ludger bekam ich die Tage ein Päckchen mit einer wohlschmeckenden Fracht: seiner Neukreation, der Aronia-Sülze. Diese durfte ich probieren, was ich nun getan habe. Nun wäre ich nicht ich, wenn ich nicht irgendwie ein Olivenöl in den Verzehr dazuschmuggelte. Was ich auch getan habe. Jetzt also zum Rezept:

2 Scheiben Schinken-Aronia-Sülze
3-4 Blätter Radicchio in feine Streifen geschnitten
1 Klecks (ich weiß, dass es diese Maßeinheit nicht gibt; trotzdem!) selbstbereiteter Sahnemeerrettich mit frischem Meerrettich!!!
1/2 TL Rosa Pfeffer (der eigentlich keiner ist)

Dressing

1 TL Cassis
1 TL Pöllauer Hirschbirnenessig (demnächst bei mir zu kaufen, ein Spitzenessig)
4 TL allerfeinstes Olivenöl (ich entschied mich für dieses hier, ohne es zu bereuen)
Fleur de Sel
wenig schwarzen Pfeffer aus der Mühle

Die Zutaten für das Dressing gut mit dem Schneebesen verrühren, den Radicchio in die Mitte des Tellers geben, mit dem Dressing anmachen. Dann die Sülzescheiben darauf legen, ebenfalls mit etwas Dressing beträufeln, Den Klecks Sahnemeerrettich obenauf und mit den Beeren garnieren.

Schinken-Aronia-Sülze auf Radicchio-Salat

So sah das Ganze dann aus.

Zuerst zur Sülze: Pur probiert schmeckt sie hervorragend. Fleischig würzig mit leicht säuerlich-salziger Note und einem süßlichen-fruchtigen Touch. Beim Aroniasaft wäre ich vielleicht etwas mutiger, denn er schmeckt so gut wie nicht heraus. Wie man es vom Ludger gewohnt ist, ist sie handwerklich spitze gemacht, ohne „Fettkinkelchen“ oder gar sehnigem, knorpeligem Fleisch. Mager und zart. Es steht also kein Sülzenaufstand zu befürchten. Für alle, die Sülzen eher links und rechts liegen lassen, weil sie undefinierbares in sich zu bergen scheinen, die sollten die Schinken-Aronia-Sülze unbedingt probieren. So was wie hier, passiert dem Ludger sicherlich nicht.

Zu meiner Kreation: Ist die Sülze pur schon ein Genuss, so darf man sich an solche und ähnliche Zubereitungen ruhig mal heran wagen. Also weg vom Butterbrot mit Sülze und Remoulade. Das fruchtige Dressing zu dem angenehm bitteren Radicchio schmeckte sehr gut. Die Sülze fügte sich harmonisch ein, der Sahnemeerrettich sorgte mit seiner Schärfe für angenehmen Kontrast, und die rosa Beeren für einen kleinen exotischen Kick. Ich fand das durchaus gelungen.
Jetzt also alle beim Ludger Freese die Sülze bestellen, und selbst damit experimentieren.

Bilderrätsel

Wer errät, worum es sich hier handelt?

Bilderrätsel

Beim Klick auf das Bild wird es größer. Ein Tipp: Es ist kein Wackelpudding! Die Auflösung gibt es demnächst.

Nie wieder so einen Mist!

Beim Stöbern in alten Unterlagen stieß ich auf ein Rezeptheft aus dem Jahr 1978, geführt von meiner jetzigen Frau und damaligen dürren Unbekannten aus der Parallelklasse. Wir hatten damals in der Schule Kochen. Dies war Pflichfach für die Mädchen und Wahlfach für die Jungen. Da klassenweise unterrichtet wurde, bin ich meiner jetzigen Frau kaum begegnet, habe sie auch ansonsten nicht wahrgenommen. Aber die Lehrerin war dieselbe, der Unterrichtsstoff auch. Somit auch die Rezepte. Von einem möchte ich gleich berichten, da es so schlimm ist, dass einem vom Lesen schon übel wird.
Vorab: Ich war damals in der neunten Klasse, als das Kochen angeboten wurde, auch für die Jungen. Mit drei mutigen Kerls haben wir uns unter die Mädchen gemischt, und wollten das Kochen erlernen. Man(n) wusste ja nicht, ob man es mal brauchen konnte. Nach der dritten Stunde war ich allerdings allein zwischen lauter Mädchen aus meiner Klasse, die anderen hatten aufgegeben. Warum, kann ich nur spekulieren. Eventuell liefen die Annäherungsversuche an das zarte Geschlecht nicht wie gewünscht, vielleicht hatten sie aber einfach nur keine Lust mehr, denn auch das Abwaschen und Saubermachen gehörte dazu. Und welcher junge Kerl macht sowas schon gerne. Wo doch die Frauen so zarte, kleine Finger haben, und beim Putzen viel besser in die Ecken kommen (Beschwerden über die Chauvi-Bemerkung bitte an glaubes@maenner-sind-die-besten.net). Jedenfalls war ich in diesen zwei Stunden pro Woche der Hahn im Korb, und habe es genossen. Nicht unwesentlich haben diese Stunden zu meiner damaligen Berufsfindung beigetragen. Dass während einer Kochlehre auch mal die Pfannen tief fliegen, schon im ersten Lehrjahr 60 Wochenstunden plus Berufsschule die Regel waren, wusste ich damals noch nicht. Das Frikadellenkneten mit den Mädels in der Schule war angenehmer. „Mike, kannst Du mal hier …“ „Mike kannst Du bei mir auch mal …“ Hach, was war das toll. Nicht so toll war, dass wir das Gekochte auch essen mussten. Deshalb jetzt zum Rezept.

Panierte Koteletts

Zutaten:
4 Koteletts
Salz, Pfeffer
1 Essl. Mehl
1 Ei
40 g Paniermehl
50 g Margarine !
1/4 l Brühe
Gustin
Zubereitung:
Koteletts salzen und pfeffern, in Mehl wenden, durch das verschlagene Ei ziehen und in Paniermehl wenden. Fett in der Pfanne stark erhitzen und die Fleischstücke auf jeder Seite 5 bis 8 Minuten braten. Den Bratensatz! mit 1/4 l Brühe verlängern und mit kalt angerührtem Gustin binden. abschmecken (womit bloß). Soße über die Koteletts gießen. Mit Salzkartoffeln und Gemüse nach Wahl servieren.

Na, ist Ihnen auch schon übel? Sowas haben wir tatsächlich zubereitet und auch gegessen. „Liebe Frau Schottke-Svers, das ist ganz großer Mist!“ Muss man so einer Lehrerin ja mal sagen.

Ohne Fleisch kein Preisch?

Dem Reim geschuldet, sorry. Worum geht’s? Beim Aufräumen des Kühlschranks und der Vorratskammer kamen noch ein paar Gemüse vom Einkauf aus der letzten Woche zum Vorschein. Ein paar Möhren, ein halber Weißkohl, ein schon nicht mehr grüner Wirsing, zwei Kohlrabi, mehrere Stangen Sellerie. Zwiebeln und Dosentomaten sind sowieso immer im Haus. Mache ich eine Gemüsesuppe, genauer: eine Minestrone.
Schaut man sich die Rezepte für Minestrone an, so ist zwar nicht immer, aber oft Fleisch mit im Spiel. Entweder wird es mit den Zwiebeln angedünstet, bevor das andere Gemüse dazu kommt, oder – oder sogar zusätzlich – wird mit Fleischbrühe aufgegossen. Muss aber nicht sein, denn Gemüse schmeckt auch in seiner eigenen Brühe. Geschmacksverstärkend wirken da zum einen die Tomaten, zum anderen das Meersalz. Die Mengen und Zusammenstellung der Gemüse ist ziemlich egal, es schmeckt fast alles. Nur die Tomaten, Zwiebeln, Sellerie und Kohl sind Pflicht, weil sie sehr viel Aroma abgeben. Wenn Sie noch andere Gemüse haben, wie Bohnen, Broccoli, Blumenkohl, Zucchini, ja sogar Rotkohl – warum nicht? Nur werden dann die Zucchini, der Broccoli und der Blumenkohl erst eine viertel bis halbe Stunde vor Ende der Garzeit dazugegeben. Sie würden sonst verkochen und unansehnlich werden. Aber von vorn:
Viel Olivenöl in einen großen Topf geben, erhitzen und zuerst die Zwiebeln leicht anschwitzen. Sie können ein wenig Farbe nehmen, nur nicht braun werden, dann die anderen Gemüse dazu geben und ebenfalls anschwitzen. Sie sollen nicht dunkel werden, aber ein wenig Röstaromen dürfen sie entwickeln. Dabei gut umrühren. Etwa nach zehn Minuten die Dosentomaten dazu geben und mit Wasser auffüllen, bis das Gemüse vollständig bedeckt ist. Das Ganze zum kochen bringen, den Ofen auf kleinste Stufe stellen, und für ca. zwei Stunden köcheln lassen.

Minestrone

Zuvor noch etwas getrocknete Peperoncini dazu, aber nur, wenn Sie mögen. Abgeschmeckt wird mit Meersalz und frisch gemahlenem schwarzen Pfeffer. Ach nein, es heißt jetzt ja nicht mehr abschmecken, sondern justieren. Wer also etwas auf sich hält, und dem Hobbykochdasein schon in die höhere „Cuisine“ entschwunden ist, der justiert.
Diese fleischlose Suppe wird dann in Suppenteller gefüllt, mit frisch geriebenem Parmesan bestreut und einem kräftigen Schuß fruchtigen Olivenöls darüber serviert.

Es gibt unzählige Varianten der Minestrone. Es gibt sie mit Reis oder Nudeln darin, mit weißen Bohnen, roten Bohnen, mit Schweinebauch, Rinderbrühe und, und, und … Jede Version hat ihren eigenen Charakter, diese hier schmeckt mir jedenfalls außerordentlich gut, macht wenig Arbeit und alle Reste sind verwertet. Trauen Sie sich einfach mal, es ist so einfach …

Artischocken können nicht schocken

Viele Hausfrauen/-männer trauen sich nicht an sie heran, an die Artischocke. Kann ich durchaus verstehen. Wenn man sie denn bekommt, was in unserer Gegend eher selten ist, dann sind sie kein preiswertes Gemüse. Zudem muss man leider sehr viel von der Artischocke wegschneiden, wirklich schmackhaft ist nur der Boden, der Stiel und die unteren Blattspitzen.
Ich entdeckte sie beim Wochenendeinkauf im Gemüseregal eines Edeka-Marktes. Eine eher kleinere Sorte mit Stiel, schon ein wenig zu lange der grellen Supermarktbeleuchtung ausgesetzt flehten sie mich quasi an, es sich in meinem Einkaufswagen gemütlich machen zu dürfen. Das Stück kostete 99 Cent, ein echtes Schnäppchen. Also entführte ich drei Stück in meine warme Küche, um sie zu beschneiden, zu schälen und auszuhöhlen.
Die unteren Außenblätter zog ich ab, die waren schon sehr trocken und an den Rändern braun. Anschließend brach ich, die Artischocke in der Hand drehend, die Blätter um, um sie an der Bruchstelle abzuschneiden. Das funktioniert am besten mit einer Küchenschere. Derweil rieb ich die Schnittstellen immer wieder mit einer halbierten Zitrone ein, damit sie nicht braun würden. Als in der Mitte nunmehr nur noch ein runder, grüner Kegel stehenblieb, schnitt ich diesen ebenfalls ab. Zum Vorschein kammen dann kleine, nach innen gerundete Blättchen, die ich mit dem darunter befindlichen Heu entfernte. Dazu diente mir ein Kugelausstecher. Jetzt kam der Stiel an die Reihe: mit einem Schälmesser entfernte ich die harten Teile zwischen Boden und Stiel, und schälte dann den Stiel ab, bis zum zarten helleren Fruchtfleisch. Immer wieder mit Zitrone die Schnittstellen behandeln, sonst wird die Artischocke schnell unansehnlich. Als nun alle drei geputzt waren, gab ich etwas Olivenöl in einen Topf. Der Topf sollte so hoch sein, dass man die Artischocken mit der Blattseite nach unten in ihn hineinstellen kann, und der Topfdeckel geschlossen werden kann, trotz der nach oben stehenden Artischockenstiele. Die Artischocken stellte ich hinein, goss mit einer Tasse trockenem Weißwein an, presste den Rest der halben Zitrone dazu. Zusätzlich kam noch eine Tasse Wasser hinzu, ein Stück Petersilienwurzel und drei ungeschälte aber zerdrückte Knoblauchzehen. Deckel drauf, zum köcheln bringen lassen, bei kleiner Hitze weiter köcheln, bis die Artischocken gar waren. Das kann man testen, wenn man mit einer Gabel zwischen Stiel und Boden sticht, und es sich wie eine gare Kartoffel anfühlt.

Geputzte Artischocken im Topf

Die Artischocken ließ ich dan bei geöffetem Deckel etwas auskühlen. Derweil bereitete ich eine Aioli aus einem Eigelb, Zitronensaft (ca. eine halbe Zitrone, die hatte ich ja noch übrig), einem Esslöffel Wasser, Cayennepfeffer, Fleur de Sel, vier Knoblauchzehen und einem viertel Liter bestem Olivenöl, sowie einer halben, in kleine Würfel geschnittenen Pfefferschote (ohne Kerne und Häutchen, man will seine Familie ja nicht vergraulen, die mag nicht so scharf) und geschnittener Blattpetersilie.
Eigelb, Zitronensaft, Wasser und Cayennepfeffer (nach Geschmack, bei mir war es eine Messerspitze, ganz „scharfe“ nehmen mehr) verrühren und dann das Olivenöl erst in wenigen Tropfen, dann in einem dünnen Strahl mit dem Schneebesen unterrühren, bis das Olivenöl verbraucht und eine schöne Mayonnaise entstanden ist. Jetzt den Knoblauch durch die feine Presse hineinpressen und sofort unterrühren, anschließend die Pfefferschotenwürfel und die geschnittene Petersilie. Jetzt mit Fleur de Sel abschmecken.
Die Artischocken halbierte ich und gab sie auf einen Teller, dazu ein Klacks der Aioli. Dann beträufelte ich die Artischocken mit dem Sud, der auf insgesamt vielleicht vier bis fünf Esslöffel reduziert war und ganz hervorragend schmeckte. Vom Vortag hatte ich noch ein paar Sprossen übrig, die wanderten auch mit auf den Teller.

Artischocken nach Art des Olivenölkontors

Dazu gab es Weißbrot. Eine schöne Vorspeise, die nicht nur im Sommer passt. Da meine Frau und ich mittlerweile vom Winter die Nase gestrichen voll haben, tranken wir dazu einen kleinen Schuss Limoncello, aufgefüllt mit Prosecco. Die Jalousien waren unten, die Heizung aufgedreht, so wähnte man sich in wärmeren Gefilden. Danach gab es leider nur Schnitzel, sodass wir ruckzuck wieder in Deutschland angekommen waren. Nun ja, das nächste Mal dann doch besser Ossobuco danach …

Spareribs und der verlorene Geschmack

Zu dem verlorenen Geschmack komme ich später, zuerst zu den Spareribs. Ich liebe Spareribs, mache sie allerdings viel zu selten, da ich der einzige in der Familie bin, der sie mag. Letzte Woche habe ich sie mir einmal gegönnt, da sie mich in der Theken-Auslage einer Schlachterei so dermaßen anlachten, dass ich nicht widerstehen konnte. Vier Stück nahm ich mit, ungefähr 25 cm lang.

Spareribs, als sie noch Rippchen waren

Nun kann man die Rippchen einfach salzen, pfeffern und in den Ofen schieben. Das Ergebnis schmeckt auch, hat aber mit Spareribs nichts zu tun. Bei mir werden sie eingelegt, bzw. gebeizt, mit einer scharf-süßen Marinade. Diese bereite ich aus 100 ml Ketchup (richtiger Ketchup, ohne Glukosesirup und ähnlichen Zuckerarten, sondern aus Tomaten, Essig und Gewürzen), zwei Esslöffeln Honig, 50 ml bestes Olivenöl, einem Teelöffel Paprikapulver edelsüß, einem Teelöffel Currypulver, einer Prise Kreuzkümmel, Meersalz und einer halben gehackten, roten Pfefferschote, sowie drei bis vier, durch die feine Presse gedrückte Knoblauchzehen. Ich bevorzuge bei Marinaden immer gepressten Knoblauch, keinen gehackten, weil die äthrischen Öle des gepressten Knoblauchs – sofort mit der Marinade verrührt – so schneller und intensiver ihren Geschmack an die Marinade abgeben. Alles wird gut verrührt und abgeschmeckt. Die Marinade soll süß und scharf zugleich schmecken, dabei etwas Säure mitbringen. Falls es Ihnen nicht säuerlich genug scheint, geben Sie etwas Zitronensaft oder Weinessig dazu.

Marinade

Mit der Marinade werden die Rippchen nun gut und vor allem großzügig beschmiert. Ich lege sie dazu auf ein Blech, und schiebe dieses anschließend in den Kühlschrank. Die Zeit für das Marinieren sollte mindestens einige Stunden betragen, besser ein bis zwei Tage.

marinierte Rippchen

Nach dem sich die Rippchen entschlossen, den Geschmack der Marinade zu einem guten Teil in sich aufzunehmen, wandern sie bei Umluft und 160° C in den Backofen. Und zwar auf einem Gitterrost, unter dem ein Blech platziert wird, um das tropfende Fett und die Marinade aufzufangen. Wer keine Lust hat, hinterher ewig das Blech zu schrubben, auf dem sich der Zucker der Marinade gerne einbrennen möchte, der belegt es mit Alufolie oder Backpapier – man muss ja auch mal an die Hausfrau/den Hausmann denken.

Spareribs, frisch aus dem Ofen

Das Ergebnis sollte nach etwa 45 Minuten so aussehen, wie oben. Die Spareribs sind schön würzig und sehr saftig. Gegessen werden sie mit der Hand, nachdem man die einzelnen Rippen mit dem Messer voneinander getrenn hat. Ein bis zwei Servietten, oder ein kleines feuchtes Handtuch sind hilfreich.

Spareribs aß ich das erste mal Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre in München, in einem damals legendären mexikanischen Restaurant, dem „Palenque“. Jedes mal, wenn ich dort essen ging, aß ich Spareribs und vorweg einen mexikanischen Salat mit Zwiebel, Tomate, Gurke, Stangensellerie, Mais und Kichererbsen. Die Spareribs waren einfach klasse; nirgendwo sonst habe ich solch gute Spareribs gegessen. Mein Versuch, die Marinade nachzuahmen, ist gescheitert, obiges Rezept nur ein kläglicher Ersatz für die einmaligen Rippchen aus München.

prämierte Speisekarte des Palenque aus München

Auch die Gestaltung der Speisekarte war originell, und selbige wurde auch von der „Gastronomische Akademie Deutschland e. V.“ ausgezeichnet.

Spareribs auf der Karte des Palenque

Der für mich interessanteste Teil der Karte war natürlich die Seite mit den Spareribs. Wurde mir immer beigebracht, mich ordentlich am Tisch zu benehmen, so konnte ich hier mit den Konventionen brechen, die Ärmel hochkrempeln, die Ellenbogen auf dem Tisch aufstützen, und mit den Händen essen. So fand denn auch die Marinade den Weg über die Rippchen an die Finger und an die Wangen – bis fast an die Ohren – herrlich! Noch Stunden nach dem Verzehr der edlen Rippen dufteten die – gewaschenen – Finger nach den mexikanischen Preziosen aus dem Backofen.
Bei den Recherchen zu diesem Artikel fand ich dann aber Betrübliches heraus: Das „Palenque“ gibt’s nicht mehr! Irgendwann zwischen 2001 und 2005 muss es geschlossen haben. Weg ist er, der geniale Geschmack der Spareribs; für immer verloren!
Vielleicht aber auch nicht! Wer die Kommentare zu obigem Link durchliest, der kann einer kleinen Spur folgen. Man hat einem Gast verraten – zumindest ansatzweise – wie die Original-Palenque-Marinade zubereitet wird, nämlich aus „roter Mojosoße“ und Honig. Ein Hoffnungsschimmer, ein kleiner.

Spaniens Olivenöl Nr. 1

Jawoll! Und im Himmel ist Jahrmarkt, und bei „Feinkost Dittmann“ stehen die Buden! Eine Pressemeldung beim Gourmet-Report will uns da weiß machen, dass das „La Española“ das beste und bekannteste Olivenöl Spaniens sei. Eine kleine Suchmaschinenrecherche führt das schnell ad absurdum. Zudem möchte „La Española“ mit Omega 3-Fettsäuren glänzen. Das funktioniert allerdings nur, wenn diese künstlich zugesetzt werden. Also handelt es sich nicht mehr um ein Naturprodukt, und schon gar nicht um ein Extra Natives Olivenöl. Wenn man sich dazu noch den Preis von 4,99 € pro Halbliterflasche anschaut, wird sehr schnell klar, um was für ein „Qualitätsprodukt“ es sich wirklich handelt. Ich nenne so etwas Konsumentenverdummung.