Die Angabe des Mindesthaltbarkeitsdatums bei Olivenölen der besten Spezifikation ist verpflichtend. Wie hoch dieses angesetzt wird, bleibt dem Produzenten überlassen. Theoretisch könnte ein Produzent sein gerade abgefülltes Olivenöl mit dem MHD (Mindesthaltbarkeitsdatum) 01.12.2037 versehen. Er müsste im Zweifelsfall dann dafür gerade stehen, dass das Öl im Dezember 2037 den gesetzlichen Ansprüchen für Extra Natives Olivenöl entspricht. Das wird keiner wagen. Durchaus normal ist es aber, dass Olivenöle mit einem MHD von bis zu 26 Monaten ausgezeichnet werden. Für den Konsumenten noch irreführender ist die Vorschrift, dass das MHD ab der Abfüllung, nicht ab der Produktion gilt. Das hieße im schlimmsten Fall (der durchaus immer wieder eintritt), ein Olivenöl, welches schon drei Jahre im Stahltank herumdümpelt, würde jetzt abgefüllt und bekäme das MHD 11.12.2010. Der Konsument kaufte 2010 ein fünf Jahre altes Olivenöl. Dieses wäre mit Sicherheit nur noch Lampantöl. Doch wer klagt an? Immer noch viel zu wenig.
Erfreulich ist, dass es einige Ölproduzenten gibt, die den Mut haben ihrem Öl eine Mindesthaltbarkeit von nur 13 Monaten mitzugeben. Erfreulicher wäre es, wenn sie auch den Erntezeitpunkt auf dem Etikett vermerkten, und man im Zweifel nicht erst in Italien (oder anderswo) nachfragen müsste, ob man wirklich die allerneueste Ernte in Händen hält.
Die meisten Öle werden mit MHD von 18 Monaten ausgestattet, was nach strenger Auslegung der gesetzlichen Vorschriften nur wenige sehr gute Olivenöle tatsächlich leisten können. Andreas März, Chefredakteur der Fachzeitschrift Merum, geht sogar soweit, dass er Olivenölen eine generelle Haltbarkeit von nur sechs Monaten zubilligt. So weit ginge ich dann doch nicht. Dies hieße, dass ab Mai/Juni kein gutes Olivenöl mehr zu haben sei, und man auf Ernten aus Übersee (Australien, Chile) ausweichen müsse.
Die Werte für freie Fettsäuren (nicht zu verwechseln mit der Ölsäure, die ein wesentlicher und gesunder Bestandteil des Olivenöls sind) sollten möglichst gering sein, optimal nicht mehr als 0,3% betragen, Polyphenol- und Tocopherolwerte möglichst hoch sein. Dies ist der beste Schutz gegen Oxidation. Solche Öle sind nach einem Jahr noch in Ordung und versprechen Genuss. Der Nachteil: Es gibt solche Öle nicht an jeder Ecke, schon gar nicht im Supermarkt oder beim Discounter. Der Konsument entscheidet letztlich, welchen Anspruch er an ein gutes Olivenöl stellt, und welchen Preis er bereit ist zu zahlen.
Jetzt schon aus der neuen Ernte da:
Terre Stregate aus Kampanien
Laura Fagiolo Sabina D.O.P. aus dem Latium
Kolymvari aus Kreta
Olio Roi Riviera Ligure aus Ligurien
Ravidá aus Sizilien
Fragen zum Thema Olivenöl beantworte ich gerne. Wer sich nicht sicher ist, ob er ein hochwertiges Produkt erworben hat, kann dieses – wenn er/sie den Aufwand nicht scheut – von einem anerkannten Olivenölpanel untersuchen lassen.
Woran macht man die fest?
Dank eines Hinweises von
… wäre doch wirklich blöd. Obwohl viele Anbieter frischer Ware die Floskel (meine Tochter fragte mich gestern, was denn eine Floskel ist) „frisch eingetroffen“ wählen. Alte Ware zu bestellen, um sie teuer zu „verhökern“ ist denn auch absurd. Deshalb werde ich, gewohnt „Preis wert“ , mein gerade eingetroffenes Kolymvari-Olivenöl aus der neuesten Ernte anpreisen. Jedesmal, wenn der Herbst in den Winter übergeht, gibt es so ein Prickeln, eine Neugierde (Gier) nach dem allerneuesten Olivenöl. Wie mag es schmecken, wie ist die Qualität, wie ist die Quantität? Nun: sie ist gut! Beim Kolymvari ist sie mehr als gut. Noch besser allerdings ist sie bei unserem toskanischen Olivenöl „Viridum“ von der Podere Prataccio. Ich bin so was von begeistert davon, was man mit Liebe zum Produkt, Pflege und Sorgfalt erzeugen kann. Die Werte der neuesten Ernte:
Die Azienda del Carmine in Ancona, direkt im Herzen der Marken gelegen, produziert neben einigen ausgezeichneten Weinen, auch Olivenöle der Spitzenklasse. Auch wenn die Marken für Olivenöl wenig bekannt sind, werden in der wunderschönen Hügellandschaft nicht nur Wein, sondern auch Oliven angebaut. Ein reinsortiges Olivenöl aus Frantoio-Oliven hat es mir angetan. Aber nicht nur mir, sondern auch die Jury des letzten Olive Oil Awards in Zürich an der Hochschule Wädenswil fand es eine Auszeichnung wert.



